Angola: schöne Menschen, wunderschöne Landschaften, Wildcamps

13.12.17 – 9.1.18

Begegnungen

AngolaVon Virei wollten wir nach Caraculo fahren. Die Erdstrasse ist auf allen unseren papierenen und elektronischen Karten eingetragen und auch vor Ort mit neuen Wegweisern ausgeschildert. Trotzdem endet die Piste nach ca. 35km an einem Dorf, danach gibt es nur noch Busch. Dafür konnten wir aber zusammen mit den Frauen und Mädchen ihr Dorf besichtigen und uns ein wenig mit ihnen „unterhalten“. Die Männer waren nicht bereit sich mit uns auseinander zusetzen, sie verschwanden sofort irgendwo. Die Menschen leben hier sehr abgeschieden von der Zivilisation in Holz- und Lehmhütten. Wasser müssen sie hertragen. Im Dorf wohnen auch Hühner und Geissen. Als Schönheitssymbol schleifen sich die Leute zwischen den oberen Schaufeln ihrer Zähne ein Dreieck frei und brechen sich die unteren Vorderzähne raus. Sie haben mir weisgemacht, dass das völlig schmerzfrei sei und sich grosszügigerweise sofort anerboten mir meine Zähne auch rauszubrechen und schön zu schleifen. Ich konnte dann leider aus Zeitgründen nicht auf ihr Angebot eintreten.

An der Steilküste liegt in einer der Buchten das Fischerdorf Santa Maria. Wir haben auf dem Hochplateau mit sensationeller Aussicht das Neujahr verbracht. Etwas enttäuscht waren wir schon, dass die Fischer keine einzige Neujahrs-Rakete gezündet haben. Natürlich besuchten wir das Dorf an einem Tag auch. Es ist auf zwei Buchten aufgeteilt. In der einen Bucht leben ausschliessliche ein paar junge Männer und in der anderen Bucht liegt das Haupt-Fischerdorf. Zwischen den beiden Buchten besteht bei Ebbe dem Meer entlang eine Verbindung, wir benutzen diese und stellten fest, dass daran auch die zentrale Toilette liegt. In den unangenehmen Duftwolken haben wir uns gefragt, ob dies eine Bedeutung hat, quasi als zusätzliche Abschottung der beiden Buchten. Im Hauptdorf wurden wir sofort zum Soba, dem Dorfchef, geführt. Er hat uns erklärt, dass die Erwachsenen hier fischen und alle schulpflichtigen Kinder in Benguela zur Schule gehen. Das Dorf besitzt dort ein Haus für die Kinder. Alle Fische werden ebenfalls in Benguela verkauft. Für uns war das eine Tagesfahrt. Wasser wird zweimal pro Woche an einer Kreuzung etwa zwei Stunden Fussmarsch entfernt angeliefert. Das Dorf besteht aus Zelten, die meist aus alten Kleidern zusammengenäht sind. Es leben hier z.Zt. 230 Menschen. Wir durften uns überall im Dorf umsehen und alle Angetroffenen waren sehr freundlich, es war ein gutes Gefühl hier zu sein. Ob sie aus unseren mitgebrachten Kleidern Zelte bauen oder sie als Kleider verwenden, werden wir natürlich nie erfahren.

Die Polizei dein Freund und Helfer

Vor Condo fanden wir einen super schönen Übernachtungsplatz. Mitten während dem Kochen wurden wir von einer Polizeipatrouille besucht. Ein Zivilist erklärte uns, der anwesende Polizeichef habe festgelegt, dass dieser Platz zu gefährlich sei und wir in Condo bei der Polizeistation übernachten müssten. Wir erklärten ihm, dass der gefährlichste Platz überall auf der Welt immer in einer grösseren Ortschaft sei und nicht in der Natur. Es half nichts, er zwang uns, ihm in die Stadt zu folgen. Neben einem riesigen Generator und mitten im üblichen Lärm einer Stadt mit viel Licht sollten wir übernachten! Der Zivilist wollte unsere Ausweispapiere. Wir überreichten ihm unsere Identitätskarten. Er wollte auch unsere Pässe. Ich war nicht bereit ihm diese zu geben, da er schon unsere IDs nicht mehr zurückgeben wollte. Die Diskussion zog sich bis gegen Mitternacht hin. Wir konnten uns nicht vorstellen, zu was die ganze Aktion gut sein sollte. Wir fühlten uns jedoch nicht mehr sicher mit der Polizei.

In Benguela wollen wir auf dem Strassenmarkt Geld wechseln und Diesel tanken. Zum Wechseln suchten wir den Mercado municipal. Wir parkten in einer kleinen Seitenstrasse um uns schlau zu machen. Sofort erschien eine Polizeistreife. Wir fragten nach dem Markt und er anerbot sich sofort uns vorzufahren und uns einen geeigneten Parkplatz zu organisieren. Er fragte was wir denn sonst noch bräuchten und wir sagten ihm, dass wir noch Diesel benötigten, aber die meisten Tankstellen keines mehr hätten. Er wies uns an auf ihn zu warten, er würde das abklären. In der Zwischenzeit trieben wir einen Geldhändler auf, der genau zur selben Zeit wie der Polizeioffizier zurückkam. Uns wurde das ein wenig unangenehm. Aber kein Problem, der Polizist half beim Rechnen und beim Zählen des Geldes mit und observierte quasi den Handel! Nach dem Abschluss dieses Geschäftes eskortierte uns der Polizist quer durch die Stadt zu einer temporären Tankstelle mit Diesel. Gewaltig. wir bezweifeln, ob die Polizei bei uns den Touristen eine so grosse Hilfe anbietet wie wir hier erhalten haben.

Overlander

AngolaIn Tundavala, einem der atemberaubenden Aussichtpunkte von Angola verabredeten wir uns mit Gloria & Renato. Wir waren zuerst da, genossen die Aussicht und rekognoszierten den besten Standplatz. Als wir so fertig eingerichtet vor unserem Globi sassen, die Natur und unseren Lunch genossen, erschien plötzlich ein schweizerdeutsch sprechendes Paar, Ruth & Walter. Weitgereiste Zentralschweizer mit denen wir uns sofort in ein anregendes Gespräch vertieften. Gloria und Renato kamen an, richteten sich ein und Ruth und Walter entschlossen sich mit uns zusammen hier zu stehen. Wir verbrachten zu sechst ein paar tolle Tage mit vielen Fachgesprächen und wertvollem Informationsaustausch. Die Zeit verstrich im Fluge, es waren wunderschöne Tage – sechs Schweizer in Tundavala.

Reifenreparatur à la Angola

AngolaWieder einmal haben wir eine Schraube gefangen, die sich in unserem neuen Reifen einnisten wollte. Mit Pumpen erreichten wir jedoch ohne vollständigen Platten die nächste Tankstelle. Die Reparatur konnte gleich hinter der Tankstelle erledigt werden. Die Methode war für uns unorthodox. Das Rad musste weder angehoben noch demontiert werden. Die Schraube wurde entfernt, das Loch gesäubert, zerschnittene alte Gummischläuche gemischt mit Leim mit einer Art Häkelnadel ins Loch geschoben und dann noch eine weitere Portion Leim draufgeschmiert, die überschüssigen Gummifäden abgeschnitten, pumpen und das war es. Wir konnten es irgendwie nicht glauben. Das war die schnellste Reifenreparatur ever. Bis heute, nach mehreren tausend Kilometer und verschiedenen Strassenzustände hat es perfekt gehalten!

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2018-01-29T14:14:24+00:00 27. Januar, 2018|Afrika, Angola, Notizen|

Ein Kommentar

  1. Peter Strub 5. Februar 2018 um 19:23 Uhr

    Toll dass Ihr Landsleute im tiefen Afrika getroffen habt. Ich bin z.Zt. dabei meinen 80. Geburtstag vorzubereiten. Ich werde an 2 Tagen feiern. Es muss alles organisiert werden. Da meine
    Töchter nicht vor Ort sind bleibt alles an mir hängen u. da merke ich wieder ganz genau, dass Hermann fehlt. Ganz liebe Grüsse von Inge

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