8.2.24 bis 7.3.24

Alle Bekannten schwärmten von der Bilderbuchlandschaft, wir genossen diese Landschaft in vollen Zügen, vertaten uns aber beim richtigen Visum! Der Wüstenstaat Oman hat auch ein paar anspruchsvolle Pisten in den Bergen. Unsere kleinen Erlebnisse sind jetzt hier online, viel Lacher beim Lesen!

Das verwunschene Tal

Wir haben uns bei uns immer wieder beschwert, weil wir auf unserer Reise durch die arabische Halbinsel fast immer auf Teer gefahren sind. Es ist auch tatsächlich so, dass die Araber heutzutage in fast jede Ecke ihrer Länder eine breite Teerstrasse gebaut haben. Gabi gab sich in der Folge immer sehr Mühe nicht geteerte Strassen und Pisten zu finden. Im Norden des Oman hat sie wieder einmal eine auf der Karte sehr hübsche Piste durch ein kleines Tal als optimale Verbindung zwischen zwei grösseren Tälern gefunden. Von Rumaylah nach Murri führt die Verbindung über etwas mehr als vierzehn Kilometer durch ein kleines Tal. Zu Beginn geht die Piste über die Hügel und wir kommen uns vor wie auf einer Achterbahn. Kein Fahrzeug kommt uns entgegen oder versucht uns zu überholen. Nach der Achterbahn biegt die Piste nach links ab in ein sehr enges Tal, die Piste ist für das gelegentliche Befahren mit einem Pickup gedacht, jetzt, gerade nach den heftigen Regen, ist es jedoch vermutlich mit einem Pickup wegen der grossen Steine nicht sehr einfach. Für die grossen Räder von Globi sind die Steine kein Problem, er ächzt ab und an etwas in der extremen Verschränkung, aber sonst findet er die Steine kein Problem. Mir als Fahrer machen allerdings die sehr engen Kurven und die fehlende Breite der Piste über dem Abhang eher zu schaffen. Es sind lediglich etwa acht Kilometer, auf denen Globi nicht wirklich das richtige Fahrzeug ist, aber die haben es in sich. Als wir feststellen, dass das keine optimale Piste für uns ist, können wir nicht mehr wenden! Eine andere Möglichkeit wäre durch die engen ausgesetzten Kurven rückwärts wieder aus dem Tal rauszufahren, aber das wäre ein Manöver ohne sicheren Ausgang. Wir entschliessen uns weiter ins Ungewisse zufahren und die Dinge auf uns zukommen zu lassen, vielleicht öffnet sich das Tal ja und wir können eventuell wenden oder es wird einfacher. Keine der beiden Hoffnungen erfüllt sich! Wir brauchen für die paar Kilometer mehrere Stunden und verlieren vermutlich einiges an Körpergewicht über den erzeugten Schweiss. Aber kein Problem, Gabi hat alles auf Video! – Nach der geglückten Bewältigung dieses ungewollten Abenteuers legen wir eine längere Pause ein.

Glücksmoment

Auf der wunderschönen Küstenstrasse nördlich von Mirbat legten wir einen zufälligen Mittagshalt ein. Es stellte sich heraus, dass hier die Gezeiten einen grossen Felsvorsprung überspülen und wieder freigeben. Im Fels entstehen so während der Ebbe unzählige kleine Teiche und Pfützen in denen Wassertiere kurzfristig eingesperrt sind. Stundenlang hatten wir dadurch die Möglichkeit Meeresbewohner aus nächster Nähe zu beobachten, ohne in einen Taucheranzug zusteigen oder ins Wasser zu gehen. Unzählige Krebsarten, farbige Fische und Muscheln tummelten sich eingepfercht in den kleinen Wasserlöchern. Die Farbenpracht ist unglaublich, die eigentlich unter Wasser für uns so gar nicht sichtbar ist und die hier an der Oberfläche jetzt für unsere Augen so einfach präsentiert wird. Wie kleine Kinder, die etwas Neues entdeckt haben, verweilten wir auf dem Felsen, bis die Flut kam und uns wegschickte. Es ist schön auch als alter Sack die Welt so entdecken zu können.

Begegnungen

Obwohl der Oman ein bekanntes Reiseziel von Overlandern ist, trafen wir fast keine. In der Nähe von Salalah standen wir zwei Tag in der Nähe von Aleksandra und Martin aus Österreich, ansonsten sind uns auf der Strasse einige Overlander entgegengekommen, die es jedoch nicht für notwendig hielten anzuhalten, was sonst auf unseren Reisen immer eine absolute Selbstverständlichkeit war.

Als wir im strömenden Regen, auch das gibt es in einem Wüstenstaat, in der Nähe einer Farm standen, lud uns die Farmerin bei der Vorbeifahrt spontan ein zu ihr auf die Farm zu kommen. Wir mussten ablehnen, weil Gabi mitten in den Vorbereitungen unseres Abendessens war. Später am Abend kam dann ein junger Mann vorbei und brachte uns ganz viele Fleischspiesschen, die sie für uns über dem Feuer gegrillt hatten. Die Gastfreundschaft, die wir in den arabischen Staaten erlebt haben, ist effektiv sehr vorbildlich und überwältigte uns immer wieder aufs Neue.

Tücken der Technik

Zum ersten Mal auf unseren Reisen mit Globi hatten wir im Oman ein wenig Probleme mit dem Befüllen unseres Frischwassertanks. Die Omanis gewinnen zwar eine Unmenge von Süsswasser aus Meerwasser und pumpen das durch das ganze Land und auch in die Wüste, trotzdem ist es nicht immer einfach an eine adäquate Zapfvorrichtung zukommen. Im Süden werden mittels enormen Wasserpipelines lokale Wasserreservoire gefüllt, die dann mit einem Rohrsystem die nähere Umgebung und Wohnhäuser versorgen. Dabei werden auch Stationen beliefert, bei denen die Farmer mit grossen Wasserbehältern auf ihren Pickups Frischwasser zapfen können. An so einer Stelle standen wir und begannen gerade Globi zu betanken als ein Einheimischer kam. Wir liessen ihm den Vortritt, da wir ja genug Zeit mitgebracht hatten. Als er allerdings seinen Tank fast gefüllt hatte, war das Reservoir vorläufig leer und wir zogen mit ungefülltem Tank weiter.

Weiter nördlich trafen wir auf offizielle Pumpstationen, bei denen die lokalen blauen LkWs Wasser beziehen, das sie in die noch nicht ans Frischwassersystem angeschlossenen Häuser liefern. Diese Stationen funktionieren automatisch. Um den Wasserauslass zu betätigen, benötigt man jedoch eine Art Kreditkarte, die den Wasserausguss öffnet und vermutlich auch die Menge misst. Wir hatten natürlich keine solche Karte und konnten entweder von einem LkW, der schon getankt hatte Wasser abkaufen oder manchmal gibt es auch einen kleinen Wasserhahn, der offen ist und wir unseren Wasserschlauch anschliessen konnten.

Zum Schmunzeln

Der Oman verlangt von uns ein Visum, wie die meisten Staaten hier. Das Visum können wir online anfordern und erhalten es auch online, wir müssen es jedoch dann noch ausdrucken! Grundsätzlich ist das Visum dreissig Tage gültig und kann zweimal je um dreissig Tage verlängert werden. Das bestätigen andere Reisenden und auch die offizielle Homepage des Oman. Wir planen zwei bis drei Monate im Oman zu bleiben, aber vielleicht zwei Monate jetzt, bis es zu heiss wird und dann noch einmal im Herbst dieses Jahres, wenn es wieder kühler wird. Wir finden auf der Anmeldung ein Visum mit multiplem Einreisemöglichkeit. Das nehmen wir, dann können wir es im Herbst allenfalls noch einmal benutzen. Alles funktioniert völlig einfach und schnell. Als wir dann jedoch nach einem Monat das Visum verlängern wollten, erklären uns verschiedene Personen und vor allem die zuständige Amtsstelle, dass das so nicht möglich sei. Ein Visum mit mehreren Einreisemöglichkeiten ist nicht verlängerbar, es gilt von Anfang an ein Jahr und berechtigt zu total neunzig Tagen Besuch im Land. Nur pro Besuch kann man nicht länger als dreissig Tag im Oman bleiben, dann muss man ausreisen. Wir können zwar gleich am nächsten Tag wieder einreisen, aber den Oman kann man fast nur nach VAE verlassen. Im Süden wäre Jemen eine Möglichkeit, aber zurzeit ist das nicht wirklich empfehlenswert und ein Visum für Jemen ist schwierig zu erhalten. Der andere Nachbar ist Saudi-Arabien, aber da ist eine Fahrt durch die grösste Wüste der Welt angesagt nur um wieder zurückzufahren, also auch keine echte Alternative. Die restlichen Grenzen sind Meer. Wir könnten mit dem Schiff ausreisen, aber dazu müssten wir gemäss Auskunft der Amtsstelle mit dem Schiff in einem anderen Land ein- und ausreisen, also auch keine Möglichkeit. Die Distanz von Salalah nach VAE ist über tausend Kilometer, also beschliessen wir den Monat, den wir jetzt haben voll auszunutzen und die restlichen sechzig Tage im Herbst in zwei Besuchen zu verbrauchen. Dank der gutgedachten Visumsart konnten wir jetzt lediglich einen Teil des Oman bereisen, aber wir werden wieder kommen!